Flechtwerksteine

Bei den archäologischen Grabungen fand man Reste der prächtig ausgestatteten Klosterkirche, deren zahlreichen Marmorreliefs die bedeutendste Sammlung frühmittelalterlicher Flechtwerksteine im Südostalpenraum darstellen. Darunter befindet sich die einzigartige Darstellung eines Mannes in betender Haltung (Orant). Dieser Stein gehörte ursprünglich zu einem steinernen Baldachin (Ziborium), der sich hinter dem Altar über dem Heiligengrab des Nonnosus erhob. Möglicherweise nimmt die Darstellung auf ihn Bezug. Auch ein Lesepult (Ambo) und Steine mit Inschriften und Farbresten blieben in Molzbichl erhalten. Über 70 dieser seltenen und prächtig verzierten Objekte wurden 1987 entdeckt und sind jetzt im Museum Carantana ausgestellt. Flechtwerksteine sind Bestandteile der frühmittelalterlichen Kircheninnenausstattung. Meist gehörten sie zur Chorschranke oder zu einem aufwändig gestalteten Heiligengrab. Sie fanden in bedeutenden, repräsentativ ausgestatteten Gotteshäusern Verwendung, die in Karantanien auf hochrangige, slawisch-karantanische Adelige der Zeit nach 772 zurückgehen.

 

Rekonstruktion der Molzbichler Chorschranke
Heiligengrab des Nonnosus. Rekonstruktion F. Glaser
Ambo-Bruchstück aus der Klosterkirche 8. Jh.
Flechtwerkstein mit Kreuz und Inschrift, 8. Jh.